Der Alarm ging an einem Donnerstag Nachmittag als ich mit meinen Kindern unterwegs war.
Eine 14. Schwangerschaftswoche, was für ein kleines Menschenkind.

Am Abend ertönte erneut der Alarm, die Familie des kleinen Sternchen sei gegangen und das Kind sollte am nächsten Tag in die Pathologie.
Ein Kollege konnte erst am nächsten Tag gegen Mittag/Nachmittag - zu spät für dieses kleine Wunder. Also sagte ich zu und packte meine Tasche. Als mein Mann zu Hause war fuhr ich los. Unterwegs hielt ich noch kurz an und kaufte ein Stämmchen Margeriten, die
Gänseblümchen schliefen alle schon und die Sonne war untergegangen.

Auf Station schaute mich verdutzt eine liebe Schwester an, ich kannte sie von meinem letzten Einsatz hier.
Eigentlich hatte sie Feierabend, aber sie brachte mir noch das Kind und kümmerte sich um einen Raum für uns.

Ich durfte im Behandlungszimmer fotografieren, der kleine Junge, Liam wie ich später erfuhr, hatte einen offenen Bauch und deformierte Beinchen. Seine Mama hatte ein Schnuffeltuch und eine Plüschdecke für das Baby in der Klinik gelassen, die mit auf die Bilder sollten.
So viel Stoff und so wenig Kind. Behutsam nahm ich Liam in die Hand, stützte das Köpfchen mit dem Daumen und hob ihn aus dem Wasser. Ich tupfte ihn vorsichtig trocken. “Hallo kleiner Puschel, wir wollen jetzt ein paar Bilder von dir machen.”

Ich legte seine winzigen Füße auf eine Margeritenblüte und machte ein paar Bilder aus verschiedenen Perspektiven.
Dann kuschelte ich den Kleinen in eine Einschlagdecke und machte wieder ein paar Aufnahmen. So ein winziges Sternchen. Nun legte ich ihn zum Kuscheln auf sein Schnuffeltuch und dieses auf die Decke, so dass ich alles für die Familie festhalten konnte.

Gute Reise kleiner Puschel, danke, dass ich dich begleiten durfte. ❤

Ben und seine große Schwester

Als ich damals den Kreißsaal betrat, lag die Mama mit Ben im Arm. Ganz still, ganz innig. Sie erzählte mir, was geschehen war – dass Ben in der 28. Schwangerschaftswoche geboren wurde und nicht bei ihnen bleiben konnte. Und dann begannen wir – ganz behutsam – mit dem Fotografieren. Ich durfte Ben liebevoll fotografieren, so zart, so still, aber voller Bedeutung. Diese Bilder waren von Anfang an ein Herzenswunsch der Mutter. Denn: „Sonst hat man ja gar nichts …“, sagte sie. „Es sind Beweise dafür, dass Ben wirklich da war.“

Kurze Zeit später kam die große Schwester Sophie mit dem Papa dazu. Sophie, damals viereinhalb Jahre alt, betrat leise und etwas schüchtern den Raum. Neugierig schaute sie zum Bettchen. Ich spürte, wie schwer diese Situation für alle war – aber auch, wie wichtig dieser Moment war. Das Eis brach schnell. Sophie trat näher, betrachtete Ben ganz aufmerksam, strich ihm zärtlich über die Stirn. Sie sog jedes kleine Detail in sich auf. Ich hielt diese Augenblicke in Bildern fest. Es war – so schwer es auch klingen mag – eine wirklich schöne, liebevolle Familienzeit: getragen von Nähe, Würde und einem tiefen Gefühl der Verbundenheit.

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Wir haben uns nicht gegen Ben entschieden – sondern für uns als Familie

„Wir haben uns nicht gegen Ben entschieden – sondern für uns als Familie.“ – eine Familie, die einen so schweren Weg gegangen ist. Sätze wie dieser bleiben. Sie zeigen, wie vielschichtig Trauer, Liebe und Verantwortung sein können – besonders dann, wenn das Leben eine Familie vor eine Entscheidung stellt, die eigentlich niemand treffen möchte.

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Einsatzbericht von Bo's Mama

Am 5.2. bin ich mit meinem Partner Jan gegen 21.00 Uhr ins Krankenhaus gefahren. Seit circa 17.00 Uhr hatte ich Wehen, welche ich erst nicht als solche einordnete. Die Regelmäßigkeit war irgendwann sehr auffällig und wir fuhren los. Da ich seit Monaten ständig Blutungen hatte und auch schon mehrfach im KH war, wo es dem Kleinen immer gut ging, war ich dieses Mal zum ersten Mal entspannt und dachte, es wird schon alles gut sein. Im Untersuchungszimmer wollte die Ärztin ausschließen, dass ich kein Fruchtwasser verliere. Als sie das sagte, habe ich das weitere Szenario irgendwie schon vor mir gesehen. Sie machte einen Ultraschall, das Herz des Babys schlug, aber es war kaum noch Fruchtwasser vorhanden. Mein ganzer Körper fing an zu zittern. Es wurden weitere Tests gemacht und eine weitere Ärztin kam und untersuchte mich. Ich wäre gerne optimistisch geblieben, hatte aber sofort dieses Bauchgefühl, dass es nicht gut ausgehen wird. Sie erklärte uns dann, dass, wahrscheinlich durch Bakterien, mein Blasensprung verursacht wurde, und dass es sehr wahrscheinlich ist, dass das Baby in den nächsten drei Tagen zur Welt kommt.
Ich war Ende der 21. SSW, viel zu früh also. Sie erklärte uns, dass das Baby noch nicht überlebensfähig sei. Sie ließ uns kurz alleine, ich weinte viel und dachte, ich sei im falschen Film.

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