Schon eine lange Zeit habe ich nach einem Ehrenamt gesucht, das mich erfüllt. So bin ich auf SternenkindFotografie e.V. gestoßen. Bei einem Workshop lernte ich das Ehrenamt näher kennen. Ich war nun in der Theorie gut vorbereitet und schaute, wann der richtige Einsatz für mich kam.

Am 10. Februar war es soweit. Der Alarm ging los und mein Finger ging zwischen ablehnen und annehmen hin und her. Ich war mir unsicher, entschloss mich aber den Call anzunehmen.

Nervös packte ich meine Sachen zusammen und fuhr los. In den 20 Minuten Fahrt zum Krankenhaus kreisten meine Gedanken um den Einsatz. Mein Sternchen war ein Mädchen. Marie Luise wurde in der 21. SSW still geboren.
Wie wird mein Sternenkind aussehen? Wie sind die Eltern? Werde ich schöne Bilder hinbekommen? Ich vertraute auf meine Fotokenntnisse, machte mir aber größere Gedanken um die trauernden Eltern. Wie werden wir uns begegnen? Sind sie verschlossen? Haben sie Wünsche, wie oder was ich fotografieren soll? Möchten sie mit auf das Foto oder wollen sie es überhaupt nicht? Wo werde ich die Bilder machen? Habe ich genug Licht für schöne Bilder ?

Ich klingelte beim Kreißsaal und wurde von einer netten Hebamme empfangen. Sie brachte mich gleich zu den Eltern. Das kleine Mädchen lag bei Papa im Arm. Mir schlug die pure Verzweiflung entgegen. Er nahm mich kaum wahr. Die Mutter war gefasst und ich besprach mit ihr meine weiteren Schritte. Mich hat es sehr gefreut, dass die Mama auch Wünsche hatte, was ich fotografieren sollte.

Nach einer halben Stunde war ich mit den Fotos fertig und habe mich verabschiedet.

Erkenntnisse nach diesem 1. Einsatz:
Ich bin dankbar, diesen Eltern Erinnerungsfotos von ihrer süßen Marie Luise senden zu dürfen!
Es ist das richtige Ehrenamt für mich.
Jeder Einsatz wird anders sein und ich nehme die Herausforderung gerne an!
Auch wenn es nicht mein Kind ist, was ich fotografiere, so baue ich doch eine Verbindung zu dem Sternenkind auf. Das erleichtert mir das Fotografieren.

Ich danke allen Eltern, die uns vertrauen und uns anrufen. Die uns so ermöglichen, sie einen kurzen Moment zu begleiten um ihnen Bilder zur Erinnerung zu schenken!

Ben und seine große Schwester

Als ich damals den Kreißsaal betrat, lag die Mama mit Ben im Arm. Ganz still, ganz innig. Sie erzählte mir, was geschehen war – dass Ben in der 28. Schwangerschaftswoche geboren wurde und nicht bei ihnen bleiben konnte. Und dann begannen wir – ganz behutsam – mit dem Fotografieren. Ich durfte Ben liebevoll fotografieren, so zart, so still, aber voller Bedeutung. Diese Bilder waren von Anfang an ein Herzenswunsch der Mutter. Denn: „Sonst hat man ja gar nichts …“, sagte sie. „Es sind Beweise dafür, dass Ben wirklich da war.“

Kurze Zeit später kam die große Schwester Sophie mit dem Papa dazu. Sophie, damals viereinhalb Jahre alt, betrat leise und etwas schüchtern den Raum. Neugierig schaute sie zum Bettchen. Ich spürte, wie schwer diese Situation für alle war – aber auch, wie wichtig dieser Moment war. Das Eis brach schnell. Sophie trat näher, betrachtete Ben ganz aufmerksam, strich ihm zärtlich über die Stirn. Sie sog jedes kleine Detail in sich auf. Ich hielt diese Augenblicke in Bildern fest. Es war – so schwer es auch klingen mag – eine wirklich schöne, liebevolle Familienzeit: getragen von Nähe, Würde und einem tiefen Gefühl der Verbundenheit.

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Wir haben uns nicht gegen Ben entschieden – sondern für uns als Familie

„Wir haben uns nicht gegen Ben entschieden – sondern für uns als Familie.“ – eine Familie, die einen so schweren Weg gegangen ist. Sätze wie dieser bleiben. Sie zeigen, wie vielschichtig Trauer, Liebe und Verantwortung sein können – besonders dann, wenn das Leben eine Familie vor eine Entscheidung stellt, die eigentlich niemand treffen möchte.

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Einsatzbericht von Bo's Mama

Am 5.2. bin ich mit meinem Partner Jan gegen 21.00 Uhr ins Krankenhaus gefahren. Seit circa 17.00 Uhr hatte ich Wehen, welche ich erst nicht als solche einordnete. Die Regelmäßigkeit war irgendwann sehr auffällig und wir fuhren los. Da ich seit Monaten ständig Blutungen hatte und auch schon mehrfach im KH war, wo es dem Kleinen immer gut ging, war ich dieses Mal zum ersten Mal entspannt und dachte, es wird schon alles gut sein. Im Untersuchungszimmer wollte die Ärztin ausschließen, dass ich kein Fruchtwasser verliere. Als sie das sagte, habe ich das weitere Szenario irgendwie schon vor mir gesehen. Sie machte einen Ultraschall, das Herz des Babys schlug, aber es war kaum noch Fruchtwasser vorhanden. Mein ganzer Körper fing an zu zittern. Es wurden weitere Tests gemacht und eine weitere Ärztin kam und untersuchte mich. Ich wäre gerne optimistisch geblieben, hatte aber sofort dieses Bauchgefühl, dass es nicht gut ausgehen wird. Sie erklärte uns dann, dass, wahrscheinlich durch Bakterien, mein Blasensprung verursacht wurde, und dass es sehr wahrscheinlich ist, dass das Baby in den nächsten drei Tagen zur Welt kommt.
Ich war Ende der 21. SSW, viel zu früh also. Sie erklärte uns, dass das Baby noch nicht überlebensfähig sei. Sie ließ uns kurz alleine, ich weinte viel und dachte, ich sei im falschen Film.

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