Der Call kam, als ich gerade Feierabend hatte. Ich sagte zu und fuhr kurz zu Hause ran, um meine Fototasche zu schnappen und am Schlosspark noch ein paar Gänseblümchen zu pflücken.

Bereits in der Anforderung und beim ersten Telefonat mit der Hebamme hieß es, das Kind sei in keinem guten Zustand, aber eventuell könne man Bilder von den Händchen und Füßchen machen.

Eine sehr liebe Hebamme nahm mich in Empfang. Sie zeigte mir den Kreißsaal, in dem ich fotografieren konnte und brachte mir den kleinen Jungen. Nun erfuhr ich seinen Namen: Anton. „Hallo Anton, ich bin Kristin und werde nun ein paar schöne Bilder von dir machen.“ Ich packte meine Kamera, die Gänseblümchen und meine kleinen Buchstabenwürfel aus und überlegte mir kurz, womit ich anfange. Es war leider wirklich so, dass der Zustand nicht viel zuließ. Aber der kleine Junge hatte so niedliche Füßchen und bezaubernde Händchen.

Ich machte einige Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln in unterschiedlichen Positionen. Dann kuschelte ich Anton in das Einschlagdeckchen, band das Schleifchen und legte ein Gänseblümchen sowie die Buchstabenwürfel und ein Engelchen, welches Anton von seiner Mama bekommen hatte, dazu.

Nun kam die Hebamme herein, sie wollte noch Fuß- und Handabdrücke machen. „So liebevoll macht ihr das immer,“  sagte sie und lächelte.

Ich verabschiedete mich und fuhr nach Hause mit dem Gefühl, dass es genau richtig war, auch hier Fotos zu machen. Wo man anfangs glaubte, es ginge nicht, sind nun wunderschöne Erinnerungen entstanden.

Von Herzen Danke liebe Kristin, dass du diesen besonderen Einsatz übernommen hast.

Ben und seine große Schwester

Als ich damals den Kreißsaal betrat, lag die Mama mit Ben im Arm. Ganz still, ganz innig. Sie erzählte mir, was geschehen war – dass Ben in der 28. Schwangerschaftswoche geboren wurde und nicht bei ihnen bleiben konnte. Und dann begannen wir – ganz behutsam – mit dem Fotografieren. Ich durfte Ben liebevoll fotografieren, so zart, so still, aber voller Bedeutung. Diese Bilder waren von Anfang an ein Herzenswunsch der Mutter. Denn: „Sonst hat man ja gar nichts …“, sagte sie. „Es sind Beweise dafür, dass Ben wirklich da war.“

Kurze Zeit später kam die große Schwester Sophie mit dem Papa dazu. Sophie, damals viereinhalb Jahre alt, betrat leise und etwas schüchtern den Raum. Neugierig schaute sie zum Bettchen. Ich spürte, wie schwer diese Situation für alle war – aber auch, wie wichtig dieser Moment war. Das Eis brach schnell. Sophie trat näher, betrachtete Ben ganz aufmerksam, strich ihm zärtlich über die Stirn. Sie sog jedes kleine Detail in sich auf. Ich hielt diese Augenblicke in Bildern fest. Es war – so schwer es auch klingen mag – eine wirklich schöne, liebevolle Familienzeit: getragen von Nähe, Würde und einem tiefen Gefühl der Verbundenheit.

weiterlesen …

Wir haben uns nicht gegen Ben entschieden – sondern für uns als Familie

„Wir haben uns nicht gegen Ben entschieden – sondern für uns als Familie.“ – eine Familie, die einen so schweren Weg gegangen ist. Sätze wie dieser bleiben. Sie zeigen, wie vielschichtig Trauer, Liebe und Verantwortung sein können – besonders dann, wenn das Leben eine Familie vor eine Entscheidung stellt, die eigentlich niemand treffen möchte.

weiterlesen …

Einsatzbericht von Bo's Mama

Am 5.2. bin ich mit meinem Partner Jan gegen 21.00 Uhr ins Krankenhaus gefahren. Seit circa 17.00 Uhr hatte ich Wehen, welche ich erst nicht als solche einordnete. Die Regelmäßigkeit war irgendwann sehr auffällig und wir fuhren los. Da ich seit Monaten ständig Blutungen hatte und auch schon mehrfach im KH war, wo es dem Kleinen immer gut ging, war ich dieses Mal zum ersten Mal entspannt und dachte, es wird schon alles gut sein. Im Untersuchungszimmer wollte die Ärztin ausschließen, dass ich kein Fruchtwasser verliere. Als sie das sagte, habe ich das weitere Szenario irgendwie schon vor mir gesehen. Sie machte einen Ultraschall, das Herz des Babys schlug, aber es war kaum noch Fruchtwasser vorhanden. Mein ganzer Körper fing an zu zittern. Es wurden weitere Tests gemacht und eine weitere Ärztin kam und untersuchte mich. Ich wäre gerne optimistisch geblieben, hatte aber sofort dieses Bauchgefühl, dass es nicht gut ausgehen wird. Sie erklärte uns dann, dass, wahrscheinlich durch Bakterien, mein Blasensprung verursacht wurde, und dass es sehr wahrscheinlich ist, dass das Baby in den nächsten drei Tagen zur Welt kommt.
Ich war Ende der 21. SSW, viel zu früh also. Sie erklärte uns, dass das Baby noch nicht überlebensfähig sei. Sie ließ uns kurz alleine, ich weinte viel und dachte, ich sei im falschen Film.

weiterlesen …